Die Vergebung - Haeven-Up.de

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Biblische Grundlagen > Die Bibel lehrt

1) Allgemeine Begriffe und Verstaendnis
Eine Entschuldigung ist im Wortsinn eine Ent-Schuld-igung, eine Form von Vergebung. Mit der Bitte um Entschuldigung gesteht jemand ein, dass seine Tat oder ein Wort von ihm eine moralische Verfehlung war. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist eine Entschuldigung allerdings ebendiese Bitte. Der Geschaedigte der Tat kann die Entschuldigung annehmen oder ablehnen. In den meisten Religionen spielt Vergebung eine wesentliche Rolle. Hierbei wird die Vergebungsbereitschaft unter den Menschen als Weg zur Konfliktloesung angesehen. Bitte um Vergebung ist mehr als eine Entschuldigung, denn bei ihr soll der geschaedigte das Geschehene als ungeschehen betrachten. Ein anderer Aspekt der Vergebung spiegelt sich in der Beziehung zwischen Gott und Mensch wieder, besonders in den monotheistischen Religionen, in denen Gott sowohl als "gerecht" als auch als "vergebend" gesehen wird. Vergebung ist ein Schluesselbegriff des Christentums und bezeichnet die Annahme von bekundeter Reue. Eine besondere, offizielle Art und Weise der Vergebung ist die Begnadigung. Verwandte Begriffe zu Vergebung sind 'Entschuldigung und Versoehnung', in schwaecherer Form auch 'Nachsicht'. Grossmut als Faehigkeit und Bereitschaft zur Vergebung gilt seit der Antike als Tugend von Herrschern, und wird heute als ein Merkmal fortgeschrittener Zivilisation angesehen.
2) Das Wesen der Vergebung
a) Die Frage nach der Vergebung bricht dort auf, wo sich ein Mensch gegen Mitmenschen oder ein Gebot Gottes vergangen hat, an den Folgen seines verkehrten Denkens und Handelns leidet und die Befreiung aus dieser Schuldverhaftung ersehnt. "Meine Suenden gehen ueber mein Haupt; wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden (Psalm 38,5). Diese Last kann so schwer sein, dass der Mensch an keine Vergebung mehr zu glauben vermag. Denn es liegt im Wesen der Schuld , dass sie etwas End-gueltiges im menschlichen Leben ist. Einmal ist kein suendhafter, schuldschaffender Vorgang jemals wieder ungeschehen zu machen, er gehoert zu uns unser ganzes Leben hindurch und bis in die Ewigkeit hinein (vgl. Offenbarung 14,1 ). Ausserdem ist solche Verfehlung "am Ende gueltig", d.h. sie gilt vor Gott im Endgericht (vgl. Matthaeus 16,27 ; 1Petr 1,17 ; Offb 20,1). Wegen seiner Suende hat der Mensch letztendlich Gott gegen sich: "Ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Vaeter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an dem Kindern derer, die mich hassen; aber Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten« (2Mo 20,5). Gottes Barmherzigkeit steht ueber den Menschen, aber zugleich auch, zuvor und durch seine Barmherzigkeit nicht erweicht noch ausser Geltung gesetzt, sein unerbittliches Nein gegen die Suende. An diesem Nein sind die beiden israelitischen Koenigreiche "Israel" (2Koenige 17,7-20) und "Juda" (2Koenige 24,2) zugrunde gegangen, weil der Herr ihre Suende nicht mehr vergeben wollte (2.Koen 24,3).
b) Denn gerade weil die Suendenschuld so ungeheuer schwer wiegt und es keine Aufhebung oder Beseitigung dafuer gibt ausser der Vergebung, kann und darf die Vergebung kein einseitiges Handeln bleiben. Vergebung ist nur in einem Verhaeltnis zwischen zwei Personen moeglich. Derjenige, an dem ein Mensch schuldig geworden ist, vergibt, d.h. er erklaert durch freien, gnaedigen Willensentschluss, dass er die begangene Uebertretung von sich aus nicht mehr als Belastung fuer das gegenseitige Verhaeltnis gelten laesst. Dadurch wird der Schuldberhaftete von seiner Schuld frei - nicht so, dass sie ungeschehen gemacht und in all ihren Folgen aufgehoben wuerde, wohl aber so, dass das persoenliche Verhaeltnis zwischen beiden aufgrund der Vergebung durch den einen derart neu wird, dass auch der andere nach seiner Schuld wieder eine neue Lebensmoeglichkeit hat. Das kann sich weithin, besonders wenn Gott vergibt und erneuert, auch auf die Folgen der Schuld auswirken, braucht es jedoch nicht zu tun.
Die neue Lebensmoeglichkeit aber muss der Mensch, besonders bei der Vergebung Gottes, ergreifen und ausleben (Psalm 130,4 ; vgl. Psalm 51). Darauf zielen sowohl die Geduld (Buch Nehemia 9,17 ; Jesajabuch 55,6) wie die Gerichte Gottes ab (2Chronik 7,13 ; Jeremia 36,3 ). Darum kann gerade in der Scham ueber die eigene Suende gebetet werden: "Bei dir aber, Herr, unser Gott, ist Barmherzigkeit und Vergebung" (Daniel 9), und wer Gott seine Uebertretungen bekannt hat, lobt die heilende und erneuernde Vergebung des Herrn (Psalm 32,1-5). Darueber hinaus ist die Heilsgabe der allgemeinen Vergebung in besonderer Weise Zeichen der ungebrochenen Gemeinschaft zwischen dem Herrn und seinem Volk in der Endzeit (Jesajabuch 33,24 ; Jeremiabuch 31,34; 50,20 ; Buch Hesekiel 16,63).
c) Neben der unerlaesslichen persoenlichen Umkehr des Suenders hat Gott seine Vergebung im AT aber ausserdem weithin an die durch den Priester vollzogene Versoehnung gebunden (3.Mosebuch 5,10. 16. 1): Ohne Blutvergiessen geschieht keine Vergebung (Hebr 9,22). Daran wird deutlich, dass die Vergebung, die Gott aus seiner Barmherzigkeit und Liebe heraus schenkt, nicht absehen kann von seiner Heiligkeit und Gerechtigkeit. Die Spannung von Gericht und Gnade zeigt sich auch dort, wo ein Fuersprecher die Vergebung fuer andere vom Herrn erbittet (Mose: 4.Mosebuch 14,11-20) bzw. zu erwirken sucht (Abraham: 1Mosebuch 18,22), sogar unter Einsatz des eigenen Lebens (2Mosebuch 32,32).
d) Die ganze Tiefe und das Geheimnis der Vergebung, die ein voellig freies Geschenk Gottes ist, der jedoch die Suende dabei nicht einfach uebersehen kann, sondern sie real entmaechtigen und beseitigen muss, wird im Neuen Testament offenbar. Im Leben und Sterben des Gottessohnes Jesus Christus geschieht die entgueltige Versoehnung mit Gott, die Grundlage aller, auch der alttestamentlichen Vergebung; er ist unser Fuersprecher bei Gott-Vater (1.Johannesbrief 2,1), der fuer uns bittet und uns vertritt (Roemerbrief 8,34). Waehrend Johannes der Taeufer noch die Naehe, den unmittelbar bevorstehenden Anbruch des  Reiches Gottes (Matthaeusevangelium 3,2) und die Wassertaufe als Vollendung der Busse zur Vergebung der Suenden verkuendigte (Markusevangelium 1,4), ist mit Jesus das Reich leibhaftig zu den Menschen gekommen (Matthaeusevangelium 12,28). In seiner Taufe mit dem Heiligen Geist vollzieht sich das Sterben des alten Menschen  (Adam) und oeffnet sich der Weg zu einem neuen Leben aus Gottes Gnade und Kraft (Apostelgeschichte 2,38; Roemerbrief 6,3-11).
Weil Jesus gekommen ist, um "sein Leben zu geben als Loesegeld fuer viele" (Markusevangelium 10,45), kann er in Vollmacht Suenden vergeben (Markusevangelium 2,5.10; Lukasevangelium 7,48); seine noch ganz im Gesetz des Alten Testaments befangenen pharisaeischen Gegner aber zweifelten diese Vergebung an, weil sie ihre Grundlage und Berechtigung nicht erkannten (Markusevangelium 2,6).
Jesu "Blut des Bundes" wird "vergossen fuer viele zur Vergebung der Suenden" (Matthaeusevangelium 26,28). In Christus haben wir die Erloesung durch sein Blut, die Vergebung der Suenden, nach dem Reichtum seiner Gnade" (Epheserbrief 1,7; 1.Johannesbrief 2,12). Darum nimmt er auch Zoellner und Suender in seine Gemeinschaft auf (Matthaeusevangelium 9,9-13) und laedt sie alle zum Vater ein (Lukasevangelium 14,23). Selbst fuer die, welche ihn kreuzigten, bittet er den Vater um Vergebung (Lukasevangelium 23,24), und von seinem Kreuz her gilt die Vergebung den Juden (Apostelgeschichte 13,38) wie Heiden (Apostelgeschichte 10,43; 26,17) und bringt ihnen Heil (Psalm 32,1), Frieden und Freude (Apostelgeschichte 8,39).
e) Die von Jesus erbrachte Vergebung der Suenden durch Gottes gnaedige Zuwendung muss nun durch die Verkuendigung seiner Boten, welche die Vergebung zuvor selber empfangen haben (Apostelgeschichte 26,18), an alle Voelker weitergebenen werden, und zwar nicht nur als Boschaft, sondern als reale Uebermittlung: "Wenn ihr jemandem die Suenden vergebt, dem sind sie vergeben, wenn ihr sie jemandem behaltet, sind sie <ihm> behalten." (Johannes 20,23). Diese Vollmacht zur Suendenvergebung bedeutet auf keinen Fall eine selbststaendige Freiheit der Juenger, hier zu vergeben und dort nicht. Sie kann nur in Absprache mit dem Herrn Jesus und unter er Leitung  seines Geistes, des Heiligen Geistes, ausgeuebt werden und stellt dann fest, wo Gott vergeben hat oder wo die Haltung des betreffenden Menschen der Vergebung noch im Wege steht.
3) Das Bewahren der Vergebung
A) Mit dem Geschenk der Vergebung Gottes verbindet sich fuer jeden zugleich die Mahnung, nun auch seinerseits seinen Schuldigern zu vergeben (Matthaeusevangelium 6,12+14, Markusevangelium 11,25, Lukasevangelium 6,37; 11,4, Epheserbrief 4,32; Kolosserbrief 3,13), und die erste Warnung vor der Unversoehnlichkeit: "Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Vergehungen auch nicht vergeben" (Matthaeusevangelium 6,15). Selbst wenn der Bruder in Glauben siebenmal am Tag gegen den anderen suendigt und um Vergebung bittet, soll man ihn nicht abweisen (Lukasevangelium 17,3).  
Jesus setzt hier also auch die Umkehr des Schuldigen voraus. Siebenmal bedeutet dabei wohl die Fuelle, jedoch keine Obergrenze der Vergebung (Matthaeusevangelium, 18,21). Das Gleichnis vom pfiffigen Knecht (Matthaeusevangelium 18,23) zeigt, wie die Verhaertung vor der Bitte des anderen (Matthaeusevangelium 18,28-30) auch die Vergebung der eigenen Schuld wieder aufs Spiel setzt (Matthaeusevangelium 18,32-35). Darin wird noch einmal deutlich, dass Schuld etwas Endgueltiges ist, die durch die Vergebung nicht ohne Ruecksicht auf mein weiteres Verhalten ungeschehen gemacht wird. Wenn der Knecht, wegen seiner Unbarmherzig- und Ungehorsamkeit, aus dem neugeschenkten Verhaeltnis zu seinem Herrn wieder herausfaellt, so ist auch seine Schuld unvergeben, und er steht vor ihr, genau wie vordem (Matthaeusevangelium18,34).
B) Von der Erkenntnis her, dass das Geschenk der Vergebung und der gehorsame Glaube im HErrn nicht voneinander zu trennen sind, wird auch verstaendlich, warum die unaufrichtigen und selbstsuechtigen Bitten um Vergebung beim aegyptischen Pharao (Unglauben, 2. Mosebuch 10,16-20) und bei Koenig Saul (Ungehorsam, 1.Samuelbuch 15,24-26) umsonst waren. In diesem Zusammenhang gehoeren auch die kollektive Laesterung des Heiligen Geistes vom Volk Israel  (Matthaeusevangelium 3,28-30) die nicht vergeben wird, und ein Abfall vom christlichen Bekenntnis, das nicht mehr rueckgaengig zu machen ist
(Hebraeerbrief  6,4-10; 10,26; 12,15-17).
Wie konsequent sich Gottes Ernst durch die ganze Bibel zieht, zeigt das Wort, das der HErr seinem Volk bei der Bundesschliessung gesagt hat: "Siehe, ich sende einen Engel vor dir her, der dich behuete auf dem Wege und ich bringe dich an den Ort, den ich bestimmt habe. Huete dich vor ihm und gehorche seiner Stimme und sei nicht widerspenstig gegen ihn; denn er wird eure Uebertretungen nicht vergeben, weil mein Name in ihm ist" (2. Mosebuch 23,20). Dieses Gericht hat Israel durch seinen Ungehorsam ueber sich herabgerufen, in der Wueste, im verheissenen Land bis zur Wegfuehrung und schliesslich der Botschaft und Person Jesu gegenueber- "es ist aber geschrieben uns zur Warnung" (1.Korintherbrief 10,11). Deshalb mahnt Paulus angesichts der Geschichte seines Volkes: "Siehe die Guete und die Strenge Gottes; die Strenge gegenueber den Abgefallenen, die Guete Gottes aber Dir gegenueber, sofern du bei seiner Guete bleibst; sonst wirst auch du abgehauen werden" (Roemerbrief 11,22). Das heisst konkret, taeglich und in alle Ewigkeit allein von Gottes barmherziger Vergebung leben.

 
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